Martin und Maria Dichtl

Steinmetzbetrieb in Buchbach

Maria und Martin Dichtl


Wer von Ihnen beiden war zuerst in Buchbach?
Maria: Ich. Ich komm zwar nicht direkt aus Buchbach, sondern von Plattenberg, da bin ich daheim.

Martin: Und ich komme aus Aspertsham, das liegt zwischen Oberbergkirchen und Schönberg. Ich komm’ dort aus einer kleinen Landwirtschaft mit einer Krämerei. Das war ja damals noch was Wichtiges im Ort. Wir waren uns sieben Kinder, in der Zwischenzeit sind leider alle verstorben. Ich war der Jüngste und bin hier in Buchbach adoptiert worden. Die Familie Dichtl, das war meine Tante, die hat keine Kinder gehabt und so haben sie mich geholt. Und so hab’ ich halt Steinmetz gelernt. Da ist nicht lang gefragt worden, sondern es ist halt so gewesen.

Das heißt, dass Sie gar kein gebürtiger Dichtl sind?
Martin: Nein. – 1952 mit 14 Jahren bin ich nach Buchbach gekommen, und 1960 bin ich adoptiert worden. Dann haben wir geheiratet, da war ich 22 Jahre alt. Inzwischen sind wir 55 Jahre beieinander. Ich hab’ beim „Opa“ gelernt. Er hatte 1924 in Buchbach einen Steinmetzbetrieb gegründet. Nach der Gesellenprüfung hab’ ich noch Holzbildhauerei gelernt.

Jetzt muss ich nachfragen: Der Opa, das ist der Herr Dichtl?
Martin: Ja, genau. Wegen unserer Kinder ist das halt so geläufig, der „Opa“ und die „Oma“.

Maria: Aber eigentlich waren es Onkel und Tante.

Sie sind beide 1938/39 geboren, unweit von Buchbach. Sind Sie in Buchbach zur Schule gegangen?
Martin: Als ich nach Buchbach gekommen bin, da war ich schon aus der Schule.

Maria: Ich bin in Buchbach zur Schule gegangen.

Frau Dichtl, haben Sie daran noch Erinnerungen?
Maria: Ich bin in die Schule gekommen, wie der Krieg aus war, 1945. Das war natürlich schon ein Chaos. Wir haben ein Schulgebäude gehabt, und dort waren alle acht Klassen drin, dort, wo jetzt die Sparkasse ist. Beim Durchgang, wo heute das Rathaus ist, war eine kleine Lehrerwohnung.

Acht Klassen in einem Raum?
Maria: Nein, es waren 3 Schulräume, aber darin sind alle acht Klassen untergebracht gewesen. Aber dann wurde es eng, weil die Flüchtlinge gekommen sind. Später haben sie draußen, wo heute die Schule ist, einen großen Raum als weiteres Klassenzimmer dazugenommen. Dorthin sind die großen Schüler gekommen und die kleinen sind herinnen geblieben. Mehrere Klassen zusammen haben eine Lehrerin gehabt. Unsere war noch nicht fertig ausgebildet.

Hatten Sie eigentlich Sportunterricht?
Maria: Nein, das hat es damals nicht gegeben. Aber am alten Fußballplatz droben, da war eine Turnhalle, und dort sind wir halt gewesen, im Sommer draußen, im Winter drinnen.
Martin: Maria wollte eigentlich studieren.

Haben Sie denn das Gymnasium besucht?
Maria: Ich wollte Lehrerin werden. Damals hat man noch kein Gymnasium gebraucht für die Ausbildung. Ein Lehrer hätte das zuwege bringen können. Meiner hat mit den Eltern geredet, aber es hat geheißen, die brauchen wir daheim.

Wann haben die Eltern gesagt, es geht nicht?
Maria: Da war ich in der vierten Klasse oder in der fünften.

Das war unsere einzige Maschine damals, gekauft vom Dichtl-Opa 1945 oder 47.

Wo war der Steinmetzbetrieb vom Dichtl-Opa?
Martin: 


Wie sind die Grabsteine auf den Friedhof gekommen?
Martin: Wir haben sie auf einen Holzkarren ’naufgelegt, einen vierrädrigen Pritschenwagen mit Holzradl. Damit sind wir in den Kirchenfriedhof im Markt hineingefahren, einer hat gezogen, der andere geschoben. Zu Anfang war ich immer barfuß, ich war das so gewohnt von zuhause her. Aber der Opa hat gesagt: „Des geht net, da musst du scho Schuh anziehn.“ Danach hab’ ich immer Schuhe getragen.

Das war der Friedhof an der Kirche?
Martin: Ja. Wenn welche weiter weg gekommen sind, zum Beispiel nach Obertaufkirchen oder Ranoldsberg oder so, da sind die Bauern gekommen, und wir haben die Grabsteine auf ihren Wagen geladen. Später haben wir einen Kombi gekauft, ein Hanomag war das, noch später einen Ford.

Maria: Ist nicht auch der Lehertshuber gefahren? Das war so ein kleines Fuhrunternehmen, neben dem Pfarrhof.

Martin: Da war eine kleine Landwirtschaft dabei. Der Junge war zuerst beim Militär, später hat er eine kleine Spedition gefahren.


Haben Sie Erinnerungen an die Kriegszeit?
Maria: Da haben wir hier auf dem Land wenig mitgekriegt, man hat die Flieger und die Bomben gehört. Und draußen am Schulhof der Behelfsschule gab es einen Luftschutzbunker für die Kinder der Schule. Ich war noch zu klein, mein großer Bruder hat ihn mir gezeigt, er war oben, wo heute der älteste Teil der neuen Schule steht.

Der NS-Brunnen wurde vom Dichtl-Opa aufgesetzt.

Martin: Auf dem Foto der Brunnen, den hat der Dichtl-Opa aufgesetzt, der Entwurf war von einem Architekten. Als der jetzige Brunnen aufgestellt worden ist, hat man den alten abgebrochen. Vom Dichtl-Opa weiß ich, dass innen drinnen im alten Brunnen ein Behälter gewesen ist mit Notizen darüber, wer allsamt mitgearbeitet hat, die haben alle unterschrieben gehabt.


Maria: Wir haben eine Landwirtschaft gehabt, da hat man den Krieg nicht so mitbekommen, es ist alles so dahin gegangen. Bei uns waren aber ein Franzose, eine Polin und eine Weißrussin als Zwangsarbeiter. Die waren nachts in einem Sammellager, im Kooperatorhaus beim alten Pfarrhof, untergebracht, nicht bei uns … Sie haben bei uns auf dem Feld und im Stall gearbeitet. Und sie haben gegessen mit uns, daran kann ich mich noch gut erinnern. Die Franzosen haben in ihrer Unterkunft Konservendosen bekommen. Als meine Brüder die bei ihnen gefunden haben, haben sie sie aufgemacht und probiert. Aber geschmeckt hat es ihnen nicht. – Später, als der Amerikaner gekommen ist, da sind die [Zwangsarbeiter] weggekommen.

Und nach dem Krieg?
Martin: Nach dem Krieg ist ja der Martin Dichtl eingesetzt worden als erster Bürgermeister in Buchbach.

Wie wurden denn die Leute für die neuen Ämter ausgewählt?
Martin: Mei, ein jeder hat gewusst, wer bei der Partei [der ­NSDAP] war, da gab es auch Listen. Ich nehme an, dass sie vom Landratsamt angefordert wurden, damit bekannt war, wer eingesetzt werden kann.

Gab es viele Flüchtlinge in Buchbach?
Maria: Da waren viele Flüchtlinge, ja.

Auch bei Ihnen zuhause, Frau Dichtl?
Maria: Nein, bei uns waren ein Haufen Kinder, da war das Haus voll. Unser Haus war nicht so besonders groß. Aber in der Schule, da waren viele Flüchtlinge. Da sind die Klassen geplatzt, gell, so viele waren das.

Martin: Weißt du, wie viele Flüchtlingskinder bei dir in der Klasse waren?

Maria: Mit den Flüchtlingen waren wir fast doppelt so viel. Vom Doktor Zarmer [früheres das Eckhaus an Neumarkter Straße/Am Eichaberg] bis zum Huber waren Behelfsheime, dort wurden auch Flüchtlinge einquartiert. Und ganz viele rundum auf den Bauernhöfen. In Buchbach selber gab es nicht so viele große Häuser, die geeignet waren zum Einquartieren, Mitarbeiten, Mithelfen …

Martin: Beliebt waren sie nicht. Ein jeder hat sich gesträubt zum Aufnehmen, ich weiß das vom „Opa“ her. Allesamt haben sich gesträubt. Heute ist es ja nicht anders.

Hat der „Opa“ welche aufnehmen müssen?
Martin: Eine Frau war da. Als ich hingekommen bin, war sie noch im Haus.

Maria: Und die hat bei uns daheim gearbeitet. Fleißige Leut’ waren das auf alle Fälle. Viele sind nach Waldkraiburg …

Das Dichtl’sche Natursteinwerk, um 1976


Sie sind dann beide oben in das Haus von Oma und Opa eingezogen. Haben „Opa“ und „Oma“ damals noch gelebt?
Beide: Ja, ja.


Martin: Es war nicht einfach für uns damals, als wir die neue Werkstatt haben bauen wollen …

Maria: … und das Wohnhaus auch. 

Martin: ... weil das damals noch eine grüne Wiese war. Der Kreisbaumeister wollte das absolut nicht und sagte, so etwas müsse der Landtag genehmigen. Als der Landrat kam, meinte er, dass man das Bauvorhaben in München wohl genehmigen wird, und er beschloss: „Dann tun wir’s halt gleich.“

Da haben Sie also in die grüne Wiese hineingebaut, und die anderen Firmen sind später nachgezogen?
Maria: Die Firma Bauer nebenan hat 1985 gebaut.

Sie haben Ihr Unternehmen gleich recht groß geplant …
Martin: Das ist gerade angelaufen mit den Baustellen, dass man Fensterbänke macht und Treppen. Wir haben uns finanziell schon weit aus dem Fenster gelehnt, mein Gott, wir haben uns nichts dabei gedacht.

Maria: Und vor allem war es eine gute Zeit, es ist immer aufwärts gegangen, es war in allem so ein Aufschwung. Man hat es sich einfach zugetraut.

Was waren die ersten Aufträge in der neuen Werkstatt?
Martin: Damals gab es viele Baustellen. Und wir haben angefangen, selbst Grabsteine zu fertigen. Probiert hat man alles, was mit Natursteinen geht. Früher hat man sie nur dazugekauft, aber wir haben sie selber gefertigt. Eine Maschine habe ich dafür gekauft. Damals war ich in der Meisterschule, das war 1964/65. So hat sich das langsam entwickelt. Heute ist es so, dass ein Großteil der Steinmetzarbeiten mit Maschinen gemacht wird, gerade die komplizierten Arbeiten, alles läuft computer-gesteuert …

Wir haben einen kleinen Anbau gemacht, und einer der türkischen Helfer hat in Zeiten, wo nichts anderes zu tun war, Ziegelsteinreste mit dem Hammer zerschlagen. Da hab’ ich ihm einen schweren Schlegel gegeben, weil das schneller geht damit. Aber nach einer Stunde hat er wieder mit dem Hammer gehauen. Er wollte einfach nicht untätig rumstehen! Bis ich das kapiert hab’ ... Das waren recht nette Männer, muss ich schon sagen.

Familie Dichtl und ihre zwei türkischen Helfer vor einem 5–6 Tonnen schweren, unbehauenen Block


Wie sind denn die Türken zu Ihnen gekommen?
Martin: ... die haben in der Zieglersiedlung in Buchbach beim Hausbau geholfen. Und danach haben sie nach Arbeit gefragt, und weil ich grad den Werkstattanbau vorgehabt hab’, sind sie gekommen. 1965 oder 1968 muss das gewesen sein. 

Wo bekommen Sie eigentlich Ihr Material her?
Martin: Also ungefähr seit 1970 kaufen wir die Blöcke praktisch aus der ganzen Welt, hauptsächlich aber aus Europa.

Wie groß ist denn so ein Block?
Martin: Einer hat rund 20 Tonnen (lacht, als die Interviewer erstaunt sind) und heute hat einer bis zu 30 Tonnen. Mein Gott, Gewichte, so etwas ist bei uns ganz normal. Wir haben selber zugesägt.

Maria: 


Martin: Wir haben von dort immer wieder zwei, drei geholt.

Maria: Umständlich, aber mei, es ist nicht anders gegangen.

Martin: Das waren die Anfänge, ja. Schon damals, in den 60er Jahren, sind wir nach Italien gefahren und haben dort eingekauft. In der Nähe von Verona gab es ein Zentrum, zu dem bin ich einmal mit einem Vertreter runtergefahren, der verkauft hat für italienische Firmen. Dort hab’ ich eingekauft. – Später sind wir selbst runtergefahren. Zwölf Stunden haben wir mit dem VW-Käfer gebraucht bis auf Verona. Und als dann die Europabrücke gebaut worden ist, diese Pfeiler, mei, wenn wir da einmal drüberfahren können! Das war so ein Wunsch.

Maria: Ja, vorher fuhr man direkt am Berg und an der Etsch entlang auf einem kleinen Straßerl. Wenn dann vor einem so ein kleiner Dreiradler gefahren ist, eine Ape, dann hast du nicht überholen können.

Martin: Der Käfer hatte ja auch nur 34 PS! … Wir haben dort [bei Verona] nur eingekauft. Die Ware ist dann lastzugweise rauf [nach Buchbach] gefahren worden.

Wenn Sie heute zurückblicken: Wie hat sich das Geschäft verändert, seitdem sie es vom Opa übernommen haben?
Martin: Heute machen wir hauptsächlich für andere Steinmetzkollegen Halbfertigprodukte. Die bestellen bei uns zum Beispiel französisches Material für einen Grabstein, und dann fertigen wir das auf Maß, wir sägen zu und liefern aus.

Material kauft man heute immer auf Vorrat. Kaufen muss man im Sommer, wenn die Blöcke vorhanden sind, nicht im Herbst, denn dann sind die Steinbrüche meistens schon zu. Materialien, die zu spät gebrochen werden und gefrieren, gehen kaputt.

Maria: Früher hat man in jedem Haus eine Natursteintreppe eingebaut, das ist jetzt nicht mehr so. Heute wird das gefliest, das machen wir nicht mehr.

Martin: Wir machen hauptsächlich aufwendige Bodenbelagsarbeiten, Bäder, Küchenarbeitsplatten – und Massivarbeiten mit Platten über sechs Zentimeter Dicke.
Maria: Altäre zum Beispiel. 2015 haben wir für den Kardinal Marx einen Altar geliefert für seine Privatkapelle.

Martin: Der Altar wurde von einer Künstlerin entworfen. Diese Form konnte nicht mit der Hand gefertigt werden, sondern ausschließlich CNC-gesteuert. Da laufen die Maschinen halt mal 500 Stunden, gell. – In den letzten Jahren haben wir mehrere Altäre gemacht.

Woher kommen eigentlich solche  Aufträge?
Martin: Von Künstlern, von Architekten. – Profilarbeiten, die macht man heute mit der Maschine, früher hat man das mit der Hand gemacht. Drüben [auf dem Werksgelände] steht die Kopie der Marienfigur aus dem Meißner Dom. Die haben wir 2010 für eine Ausstellung kopieren müssen, und zwar auf den halben Millimeter genau. Dabei durfte nichts mit der Hand gemacht werden! Nur mit der Maschine! Da waren halt 1300 Stunden drauf. Wir haben zuerst einen Prototyp gemacht, zuerst für uns und nur teilfertig. Und dann haben wir eine weitere Kopie für die Ausstellung in Naumburg gefertigt.

Und warum macht man das nicht mit der Hand?
Martin: Weil man mit der Hand immer einen eigenen Charakter reinbringt, gell, das kann man gar nicht vermeiden. Man kann keinen Bildhauer kopieren, nein, das geht nicht. Heute wird die Figur zuerst eingescannt. Danach werden die Daten im Computer bearbeitet und anschließend an die Maschine übergeben, zum Mann, der draußen die Maschine bedient. Dann geht es los am Block.

Wie lange würde denn so eine Arbeit von Hand dauern?
Martin: Für die Meißener Kopie hätten wir sicher ein Jahr hingearbeitet. Aber wie gesagt, das hätte dann einen anderen Charakter.

Der Michelangelo beschreibt so schön, dass der Stein fordert, dass es verborgene Bruchstellen gibt …
Martin: Ja, ja, das kann vorkommen. Man kann ja in einen Stein nicht hineinschauen, da kommt es manchmal vor, dass man Pech hat. Schlimm wär’ das bei einem Gesicht, wenn da plötzlich eine Knolle, ein gesteinstypischer Einschluss, kommt. Das wär’ ein Fiasko.

Martin Dichtl neben der Kopie der Madonna aus dem Dom zu Meißen

Solche Kopien, sind die eine Spezialität, die Sie anbieten?
Martin: So eine schöne Sache haben wir nur einmal gemacht. Aber vielleicht kommt ja mal wieder so etwas.

Zum Beispiel erinnere ich mich noch gut an die Restaurierung der Pfarrkirche in Neuötting, wo wir sechs große gotische Maßwerkfenster haben machen müssen, weil sie kaputt waren. Wir haben zum Beispiel auch eine Kreuzblume naufg’macht, da war nur noch der Ansatz zu sehen. Das hat eine der Damen raushauen müssen. Da hab’ ich zu ihr gesagt: „Wenn du einmal vorbeifährst mit deinen Kindern, dann kannst du ihnen sagen, das da droben hab’ ich gemacht.“

Oder zum Beispiel zuletzt 2014 in Würzburg den Hof Emeringen, wo wir die gesamten barocken Natursteinelemente rekonstruiert haben. Insgesamt 350 Tonnen!

Ein anderes Projekt waren vier große Brunnen 1998 in Berlin, auch so eine Aktion. Die Auftraggeber, ein Architekt und ein Professor, wollten das Material vor der Auftragserteilung sehen. Und [Sohn] Christoph hat sie in den Steinbruch in Slowenien eingeladen. Er holte sie ab und ist mit ihnen in den Steinbruch gefahren. Vorher hat der Christoph die Leute vom Steinbruch verständigt: „Wenn wir kommen, dann fahrt’s mit allem auf, was ihr zur Verfügung habt’s an Essen!“


Tuffsteinbrunnen in Berlin während des Aufbaus


Maria: Und der Professor hat schon seine Ansprüche gestellt, da musste ein weiß gedeckter Tisch sein auf dem Bruch dort.

Martin: Der Auftrag ist dann zustande gekommen ... Zuerst sollten die Steine mit einem Hubschrauber nach Berlin eingeflogen werden, denn es waren vier Innenhöfe, in die die Brunnen reinmussten. Aber da jeder Brunnen vier Meter auf vier Meter auf vier Meter hatte, ging das vom Gewicht her nicht. Das wären über 120 Tonnen gewesen! Daher haben wir sie geviertelt. Sie sollten monolithisch gefertigt werden, das hat der Professor so festgelegt.

Danach sind dann 16 Lastzüge hintereinander nach Berlin gefahren, jeder mit einem Block droben. Und jeden einzelnen haben wir über ein Haus mit sechs oder acht Stockwerken drüberheben müssen. Dafür stand ein 500-Tonnen-Kran da, die Straße war für vier oder sechs Wochen gesperrt.

Und Ihre jüngste Reise ging nach Hamburg?
Martin: Da haben wir einen ganz verrückten Auftrag gehabt, etwas, das kaum jemand sonst machen würde: ein Küchenblock in drei Teilen, für zwei Gasherde und einen Elektroherd und eine Spüle, rein privat. Das war schon vom Transport her nicht ganz einfach, jedes Teil hat ungefähr eineinhalb Tonnen gehabt, war ungefähr 5 Meter lang, 1,50 bis 1,70 breit und 35 Zentimeter stark. Wir haben alles mit Hubwagen transportiert. Ich bin den Lastwagen mit dem Anhänger abwechselnd mit einem Mitarbeiter gefahren.

Wir schauen noch einmal ein wenig zurück in der Zeit: Wann hatten Sie Ihr erstes Auto?
Martin: Der Opa hat 1955 eines gekauft. Der ist aber nur wenig gefahren.

Einmal, da ist er nach Mühldorf, es hat geschneit. Ein Schneepflug hat links auf der Spur vom Opa den Schnee rausgeräumt. Da ist der Opa mit dem Schneepflug zusammengestoßen … weil der Schneepflug nicht auf die andere Seite gefahren ist. – Der Opa hat überhaupt wenig Gefühl gehabt für Maschinen.

Wir sind einmal nach Aspertsham gefahren. Da hat er zu mir gesagt: „In die Garage musst du reinfahren.“ Wir haben eine recht komplizierte Garage gehabt droben an dem alten Haus. Ich war ja noch nie in einem Auto gesessen und hab’ daher zu ihm gesagt: „Lass mich doch erst einmal auf der Ebene fahren.“ Aber das hat er nicht [zugelassen], erst vor der Garage ist er ausgestiegen und hat gesagt: „So, und jetzt fährst du in die Garage rein.“ Da hab’ ich so rundherum müssen und dann einen Hügel nauf, alles recht kompliziert und eng. Er ist derweil ins Haus reingegangen und hat beim Fenster rausgschaut. Das war mit dem VW-Käfer.

Herr Dichtl, Sie waren Gründungsmitglied der CSU in Buchbach?


Was gab es denn für Anliegen beim Ortsverband?
Martin: Man wollte politisch tätig sein, dass wir im Landkreis eine Vertretung haben. Wir haben ja gar keinen Anschluss gehabt bei den Wahlen. Daher wollten wir schon reinkommen in den Kreistag.

Welche zentralen Themen gab es zu Ihrer Zeit im Gemeinderat?
Martin: Die Gebietsreform, das war nicht einfach. Auch die Wahlen vorzubereiten, zum Beispiel mit Ranoldsberg, dass die entsprechend vertreten sind. Das hat mir sehr viel Arbeit gemacht. Wie könnte man von vorneherein festlegen, dass die Ranoldsberger entsprechende Listenplätze kriegen, damit Aussichten für den Gemeinderat da sind. Das ist meiner Meinung nach recht gut gelungen. Damals war der [Karl] Kammerer Bürgermeister in Buchbach, der Vater vom Karl-Heinz. ...

... Wenn Sie das vollständige Interview mit Martin und Maria Dichtl lesen wollen, dann können Sie das im Buch "Zeitzeugen. Wir erinnern uns", welches der Heimat- und Kulturverein Buchbach 2016 herausgegeben hat.

Während des Interviews
Christoph Dichtl (re.)
Auf dem Werksgelände
Tuffsteinbruch Slowenien

  

Das Gespräch mit dem Ehepaar Dichtl fand im Dezember 2015 statt.

Technik:
Tascam DR100-MKII PCM Rekorder, Sennheiser MKH 406; MKH 416; SQN-4S mini; wav, 16 bit