Karl-Rainer und Marianne Schaucher
mit Sohn Rainer

Inhaber des Buchbacher Eisenwarenladens

 


Die Familie Schaucher führt seit 1951 den Eisenwarenladen in Buchbach. Karl-Rainer Schaucher, geb. 1944, war ehemaliger Geschäftsinhaber. Seine Ehefrau Marianne Schaucher, geb. 1947, ist heute Hausfrau und Rentnerin. Rainer Schaucher, geb. 1971, ist der jetzige Geschäftsinhaber des „Allesladens“, wie man in Buchbach zum Geschäft der Schauchers am zentralen Marktplatz sagt.


Karl-Rainer, waren deine Eltern Buchbacher?

Karl-Rainer: Nein, die Eltern kamen aus Frontenhausen. 1951 haben sie vom [Anton] Moser in Buchbach das Eisenwarengeschäft gepachtet, und das haben sie dann bis 1961 geführt. 1961 haben wir dann da hervorn [die ehemalige Mirtlsperger’sche Brauerei am Marktplatz] gekauft, alles abgerissen und umgebaut.

Wo bist du geboren? Und was sind deine ersten Erinnerungen an Buchbach?

Karl-Rainer: Ich bin in Frontenhausen geboren und bin mit sechs Jahren nach Buchbach gekommen.


Heut’ redet der eine hochdeutsch, der andere sächsisch oder sonst irgendwas, bei Kindern find ich das heut’ nimmer so schlimm wie zu jener Zeit.

Rainer: Weil auch das Reisen eher selten war. Der Opa hat gesagt. „Fahrt’s nur fort, schaut’s euch die Welt nur an. Aber zur Stallarbeit seid’s wieder daheim.“ Die Welt war halt kleiner damals, mit dem Radl ist man damals zehn Kilometer gefahren, und da war dann die Welt eigentlich schon aus. Und wenn dann einer aus dem tiefsten Niederbayern ins Gäu kommt ...

Warum sind die Eltern denn vom großen Frontenhausen ins kleine Buchbach umgezogen?

Karl-Rainer: Die haben sich um mehr bemüht, zum Beispiel auch in Ampfing. Dort war ... ein alter Spezl vom Vater, einer von der Hypobank, der hat gewusst, dass in Buchbach ein Geschäftshaus frei wird: die Mosers waren nach Füssen gegangen und haben dort ein Geschäft aufgebaut.

Ist dein Vater mit dem Entschluss nach Buchbach gekommen, einen Eisenwarenladen aufzumachen?

Karl-Rainer: Mein Vater [Josef Schaucher] hat in Frontenhausen beim [Eisenwarenhändler] Falk gelernt, er war dort die rechte Hand [vom Chef]. Ich schätz’, dass der Vater drauf spekuliert hat, dass er das [Geschäft] dort übernehmen kann. Wie’s so weit war, hat es dann der Neffe bekommen, auch wenn er gar keine Verbindung zum Geschäft g’habt hat.

Dein Vater wollte aber etwas Eigenes ...

Karl-Rainer: Ja, der wollte etwas Eigenes.

So seid ihr also in Buchbach gelandet. Hat sich, seit deinen ersten Jahren in Buchbach, der Ort verändert?

Karl-Rainer: Ja sicher, das war ja mehr oder weniger bloß ein kleines Nest (lacht). Der Marktplatz, dann die Hauptstraße, die Ringstraße, immer nur ein paar Häuser. Von den kleinen Häusern sind heute fast alle abgebrochen.

Das alte Buchbach

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Aber die Eisenwarenhandlung deiner Eltern ist gut gelaufen?

Karl-Rainer: Ja, da ist alles verkauft worden, Bodenbeläge, eigentlich alles, was die Leut’ verlangt haben.

Rainer: Heizöl!

Karl-Rainer:  

Von den 1 Mark 90 hab’ ich auch was verdient: Ich hab’ eine Flügelpumpe gehabt und damit das Öl aus dem Tank rausgepumpt, bis die Kanne voll war. ...

Wenn du mehr gekauft hast, hat der Liter 8 Pfennige, 9 Pfennige gekostet. Aber dann haben wir sowieso aufgehört, weil da wollten die Leut’ größere Mengen, sie hatten einen eigenen Tank. Da ist dann die Raiffeisen[-Bank in den Heizölverkauf] eingestiegen.

Rainer: Es gibt heut’ noch in Buchbach einiges an Ölöfen, [Leute], die nicht umgebaut haben auf Heizkörper, sondern die [die Öfen] einfach [in den Zimmern] haben stehen lassen. Die haben heute eine zentrale Ölversorgung.

Karl-Rainer: Die haben sich dann einen 500-Liter-Heizöltank angeschafft und haben ihn von der Raiffeisen auffüllen lassen.

Das heißt, euer Geschäft hat sich mit den Anforderungen der Leute immer mal wieder geändert?

Karl-Rainer: Ja, sicher. Bodenbeläge haben wir massig verkauft, auch Teppichböden. Das war noch, bevor die Siedlungen gebaut worden sind. Und die Leut’ wollten die Böden auch noch verlegt haben! ... Stragula, Linoleum eher weniger, aber dann Teppichböden. Draht und Drahtgeflechte, das geht heut’ auch noch. Nägel gehen dafür heute nimmer, weil heut’ alles g’schraubt wird. Farben. Tapeten waren mal ein Riesengeschäft! Genauso schnell wie’s gekommen ist, war’s wieder aus. Wer tapeziert heut’ noch?

Rainer: Obwohl das schon unterschiedlich war. Ich war in Hamburg bei einem Kollegen, da war das noch ein großes Geschäft. Damals haben wir das schon fünf oder zehn Jahre nicht mehr gehabt. – Jedes Jahr sind neue Musterbücher gekommen, 60 auf 60 Zentimeter groß. Ich erinnere mich, dass ich als Kind auf die alten Musterbücher gemalt hab’, vorne die Tapetenmuster, hinten hab’ ich draufgemalt, das war so ein schön festes Papier.

Wenn ihr euch so auf die wandelnden Anforderungen eurer Kunden einstellen müsst, wie funktioniert denn dann die Beschaffung der Waren?

Karl-Rainer: Wir sind beim Einkaufsverband, eigentlich bei ein paar Einkaufsverbänden: für Haushaltwaren, Haus- und Küchengeräte, für Eisenwaren ... Aber auch Direktbezüge von Herstellern, das wird jetzt wieder aktueller.


Kommen die Lieferanten zu euch oder müsst ihr euch die passenden suchen?

Karl-Rainer: Teils, teils. Aber meistens muss man schau’n, weil ja die Leut’ doch was Bestimmtes wollen. Heut’, durch die ganze Internet-Geschichte, wissen die Leut’ oft besser Bescheid als wir, was sie brauchen, ... die sitzen den ganzen Tag am Internet, schau’n und tüpfeln da rum ...

Rainer: Das ist ganz normal, man macht sich halt vorher schlau. Und es gibt auch schlechte Verkäufer, da weiß man erst danach, dass der Verkäufer eigentlich zuvor etwas ganz anderes erzählt hat. Ein zweites Mal lässt man sich dann aber nicht mehr übern Tisch ziehen. Man macht sich vorher schlau und vergleicht dann mit dem, was der Verkäufer sagt. So mach ich’s ja auch.

Ihr steht also in Konkurrenz mit den Angeboten im Internet?

Beide: Auf alle Fälle. Ganz riesig.

Rainer: Die kleinen Sachen, die schnell gebraucht werden, die verkaufen wir. Aber große Sachen ... Ich mein, so ein Internet-Händler, der keinen Verkaufsraum hat, keine Mitarbeiter, der nur jemanden hat, der das Trum ins Packerl hineintut, der ist natürlich viel billiger.

Also zunächst waren die Eltern in der Hauptstraße. Und dann sind sie an den Marktplatz gezogen. Warum?

Karl-Rainer: Draußen [in der Hauptstraße] sollte das [Anwesen] verkauft werden. Und die Verkäuferin wollte jeden Tag mehr (lacht). Wenn man sich geeinigt gehabt hat, hat sie am nächsten Tag gesagt, sie möchte das und das auch noch. Da hat dann der Bürgermeister [Hans] Mai g’sagt: „Dann kaufst halt das Bräuhaus da vorn [das Bachmayer-Anwesen am Marktplatz], ich helf’ euch.“ Bei dem hab’ ich einen großen Stein im Brett g’habt, beim Mai Hans.

Wie kam denn das?

Karl-Rainer: Da war ich noch Bub und er war noch nicht Bürgermeister. Am Bloachweiher [am Waschweiher] haben wir Feuer g’macht und mit Flaschenkorken die anderen beschossen. Dann ist der Mai Hans gekommen, hat mit seinem Hacklstecken rumgefuhrwerkt und uns zum Teifi g’haut. Wir sind weggelaufen, auf einmal hat’s gekracht – und dann ist dem Mai Hans das Auge ausgelaufen. Ihm ist ein Splitter ins Aug’ gekommen. Da hab’ ich ihn beim Arm genommen, ich, der Zwerg vom ganzen Landkreis, und hab’ ihn zum Doktor [Oskar] Bullinger gebracht. Das hat er mir hoch angerechnet. Er hat dann später ein Glasauge g’habt. ...

Das [Anwesen hier], mein Gott na, das war eine große Ruine, ein Riesenprojekt. Im August haben wir umgebaut, im September [1961] haben wir draußen [im Haus an der Hauptstraße] raus müssen.Unten haben wir [damals] eine durchgehende Fensterfront g’habt, nicht die Bögen wie jetzt. Als wir die Ware vom alten in den neuen, 120 Quadratmeter großen Laden gebracht haben, da war die ganze Ware auf einmal wie verschwunden. Es war jetzt einfach so viel mehr Platz.

Rainer: Und damit es ein bissl nach was ausschaut, haben sie dann die ganzen Eimer und Körbe nebeneinander gestellt.

Karl-Rainer: Auf alle Fälle haben wir es schön hindekoriert. Das hat der Vater sowieso können, das Hindekorieren, da war er peinlichst genau. Es hat alles genau sein müssen, ob das im Garten war, da hat er mit der Schnur die Beete g’macht (lacht in sich hinein), oder ob’s hier im Laden war ...

Vor den Abbrucharbeiten am Marktplatz ...
... und an der Veldener Straße
Hinter diesen Mauern hat der kleine Rainer mit den Nachbarskindern Schneeballschlachten veranstaltet
Um 1961
Das Haus mit der neuen großen Glasfront
Die Eisenwarenhandlung 2016

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Alle haben im Laden mitgearbeitet. Auch die Mutter. Ich war dann zwei Jahre beim „Bund“, da haben die den ganzen Laden schmeißen müssen.

Rainer: Früher war es ja so, dass die Ware nicht geliefert worden ist, sondern die hat man in München geholt. Als kleiner Stopsel war ich da auch dabei.

Karl-Rainer: Jede Woche einmal, immer am Donnerstag, war „München-Tag“.

Welches Auto habt ihr damals gehabt?

Karl-Rainer: Wir haben einen [Ford] Transit gehabt, hernach einen Simca.

Rainer: Wir haben immer die alten Kartonagen gesammelt und ’rauf [nach München] zum Recycling gebracht. Runter gefahren sind wir dann mit der neuen Ware.

Karl-Rainer, deine Eltern, hatten die auch schon ein Auto?

Karl-Rainer: Mein Vater hat die ersten Jahre ein Motorrad g’habt, später dann einen VW-Käfer, das war ungefähr [19]53/54.

...


Und Urlaub?

Karl-Rainer: Sonntag! Sonntag nach dem Zusperren haben wir die ganze Welt abgefahren. Sonntagvormittag war ja zum Teil auch das Geschäft geöffnet. – Ostern oder Pfingsten sind wir vom Allgäu bis nach Speyer, haben alles abgeklappert.

Hin und zurück?

Karl-Rainer: Logisch!

In Heidelberg hat mein Vater zusammen mit uns einen Kriegskameraden besucht. Weil es schon Abend war, hätt’ der uns ein Zimmer zum Übernachten angeboten. „Ach“, sagt mein Vater, „da fahr ma no schnell hoam!“ (lacht). Auswärts schlafen hat der nirgends können. Um zwei in der Früh oder so sind wir dann heimgekommen.

Die Reisen waren immer so: Anhalten, schnell aussteigen, Foto gemacht. Dann mussten wir wieder weiter.

War dein Vater streng?

Karl-Rainer: Ach nein, wir sind eigentlich gut mit einander ausgekommen. Ich hab’ das gemacht, was ich wollte. Wir haben gar nicht darüber geredet. Wenn man mit ihm zu reden angefangen hätt’, dann hätt’ er sowieso gleich diskutiert. Das hab’ ich immer vermieden. So haben wir uns nie zerkriegt. – Hernach hab’ ich dann manchmal gehört, dass ihm einiges, was ich gemacht hab’, nicht so gefallen hat. Aber er hat es akzeptiert.

Kommen wir zurück zu eurem Umzug auf den Marktplatz: Die Brauerei Bachmayer war am Schluss nur noch ein Wirtshaus, oder?

Karl-Rainer: Sie war eigentlich kein Wirtshaus mehr. Unten in der Gaststube haben sich ein paar junge Burschen getroffen, der Thalmeier Erich und ich, zum Kartenspielen. Aber sonst war da nichts mehr.

Das alte Brauereigebäude ist also noch gestanden?

Karl-Rainer: Ja, ja, das haben wir alles abgebrochen, stückweise. ... Ich hab’ zu der Zeit eigentlich schon fotografiert, zu wenig, aber ich hab’ nur Dias g’macht. Die müsst ich mal ausgraben, wo sind die überhaupt? Die war’n immer da drin, ganze Kästen voll. Ich hab’ massig, massig Dias!

Die Mirtlsperger'sche Brauerei


Euer Haus, in dem wir grade drinsitzen, das ist also ein altes Buchbacher Haus?

Karl-Rainer: Von der Grundfläche, ja. 1955 war das alte abgebrannt. Der Bachmayer hat nur so viel erneuert, wie die Versicherung gezahlt hat.

Der Bachmayer hat den kompletten Mirtlsperger-Besitz übernommen, samt Bräuwald, Bräuweiher?

Karl-Rainer: Ja.

Und später habt ihr das alles gekauft?

Karl-Rainer: Neinnein! Nur das Grundstück Marktplatz 1. – Wir haben noch eine emaillierte Tafel mit der Aufschrift „August Mirtlsperger Brauerei“ und die Windfahne der Mirtlsperger’schen Darre.

Buchbacher Postkarte mit der Mirtlsperger'schen Brauerei
Windfahne von der früheren Darre der Brauerei

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Du bist also in Buchbach in die Schule gegangen?

Karl-Rainer: Ja. In die Grundschule, erst unten [im ehemaligen Feuerwehrhaus, wo heut’ die Sparkasse ist] und später in die neue Schule oben.

Hast du noch Erinnerungen an deine Schulzeit?

Karl-Rainer: Ja, mei. Am Anfang waren die Schulklassen enorm stark. Und dann sind meistens herunten [in der alten Schule] überm Feuerwehrhaus zwei Klassen [eigentlich: Schuljahrgänge] beinander g’wesen. Hernach war Vormittag und Nachmittag Schule, da hat man’s dann getrennt. Aber da waren die Klassen auch noch ziemlich stark, so 25 oder 30 Schüler pro Jahrgang.

Beim [Lehrer Hermann] Rabenseifner war ich und bei der Frau [Emma] Schmidinger ... Aus Böhmen war die, aus einem hochherrschaftlichen Haus. Das hat sie natürlich schon bekanntgegeben, dass sie nach Karlsbad zur Kur gefahren sind.

Als ich dann mit der Schule fertig war – ich war 13 ½ –, hab’ ich in Eggenfelden drei Jahre Kaufmann im Einzelhandel gelernt, da war ich immer noch der Kleinste, meine Schulkameraden waren alle einen Kopf größer als ich. Erst im zweiten Lehrjahr hab’ ich um 20 Zentimeter angeschoben ... Die Lehrzeit war von [19]58 bis [19]61.Wie damals der Umzug angegangen ist, bin ich heimgekommen. Wie wir dann hiervorn [im neuen Haus am Marktplatz] waren, da war es für mich klar, dass ich dabei bleib. – Wenn das hier nicht so groß geworden wäre, hätt ich nach der Lehre vielleicht woanders g’schaut. Landshut, hab’ ich gemeint, wär’ eine schöne Stadt. Aber das hat sich dann zerschlagen.

Klassenfoto von 1954 mit der Lehrerin Emma Schmidinger. In der oberen Reihe steht Karl-Rainer Schaucher (2.v.l.)


Wenn du an deine Kinderzeit zurückdenkst: Wann ist das Radio gekommen, wann der Fernseher?

Karl-Rainer: Radio haben wir immer g’habt. Bayerischer Rundfunk, Bayern 1 ist da hauptsächlich g’hört worden. Musik hat beim Vater immer eine große Rolle gespielt. Der hat sogar vom Büro in die Küch’ eine Lautsprecherleitung g’legt, über dem Waschbecken war das. Vor allem wenn er abends im Büro war, da hat er noch Radio g’hört, nebenbei.

Rainer: Kofferradio.

Karl-Rainer: Ja, er hat jede Menge tragbare Kofferradios g’habt, große, kleine, die sind heut’ noch da.

Rainer: Habt’s ihr auch die Röhrenradios g’habt?

Karl-Rainer: Ja, freilich.

Rainer: Ich hab’ noch einen davon. Und der geht. Das ist ein ganz besonderer Sound.

Rainers Röhrenradio


Karl-Rainer: Fernsehen haben wir beim Mayer angeschaut. Beim Mayer ist man vorne bei der Haustür reingegangen, links war das Lebensmittelgeschäft, und rechts hat er sein’ Fernseher und seine hohe Brüstung [Verkaufstheke] g’habt. Mein Gott na, 50 Leut’ werden da drin Fernseh g’schaut haben (lacht). Fußball vor allem.

Der [Max] Redwitz hat auch ziemlich früh einen Fernseher g’habt. Ich war mit den Redwitz-Kindern viel beinander, und da haben wir dort Fury g’schaut. „Fury“, die Sendung mit dem Pferdl, das war zu der Zeit ... dass man darauf überhaupt noch kommt!

... 


Rainer, in welchem Jahr hast du von deinem Vater das Geschäft übernommen?

Rainer: 2002 sind wir eine GbR geworden. Wir haben das gemacht als Zwischenschritt zur Übernahme. Im September 2011 ist dann der Vater ausgestiegen aus der GbR, und unser Geschäft ist wieder eine Einzelfirma geworden. ...

Und wie sind deine frühen Erinnerungen an Buchbach?

Rainer (an seinen Vater gewandt): Mich wundert es, dass du noch so viel weißt. – Ich erinnere mich nicht an so viel. Ich erinnere mich zum Beispiel an den Schlittenhügel bei der neuen Turnhalle oder den am Friedhofsberg ... Ich erinnere mich an Mauern auf der Grundstücksgrenze, die waren nur noch einen Meter fünfzig hoch oder so, mit dem Leinfelder Michi, dem Nachbarn, haben wir da Schneeballschlachten gemacht. Ich hatte eine richtige Burgmauer, ...

Welche Ausbildung hast du gemacht?

Rainer: 


Mir ist eigentlich vieles immer so zugefallen.

War es damals eigentlich schwierig, eine Lehrstelle zu bekommen?

Karl-Rainer: Er wär mit Sicherheit überall genommen worden, weil er mit 1,0 abgeschlossen hat.

Rainer: Das war in der Berufsschule, aber das war ja „ein Kindergeburtstag“.

Die Eltern sind sich nicht mehr sicher, wie es in den 1980er Jahren mit der Lehrstellensituation aussah. Rainer erinnert sich, dass er von Kindesbeinen an immer im Laden „unter den Regalen“ unterwegs war. Für ihn war klar, dass er einmal im Geschäft des Vaters mitarbeiten würde.

Rainer: Das war mein Spielplatz. – Es ist aber schon gut, wenn man auch mal etwas anderes gesehen, über den Tellerrand geblickt hat. Im eigenen Betrieb lernen, das wär’ nicht so gut. – Ich hätte gern in Wuppertal die Eisenwaren-Fachschule g’macht. Aber die war relativ elitär, und ich war zu jung, hab’ zu wenig Berufserfahrung g’habt, vier bis fünf Jahre Berufserfahrung hätt’ ich haben müssen. Aber als ich dann soweit war, haben sie die Schule aufgelöst.

Was hat dich denn an der Ausbildung dort so gereizt?

Rainer: Ich war im Juniorenkreis des Einkaufsverbandes. Dort kommen Leute aus ganz Deutschland zusammen. Der Einkaufsverband hat seinen Sitz auch in Wuppertal, und er hat die Schule unterstützt. Im Rahmen von Festlichkeiten des Verbands waren wir auch einmal in dieser Schule. Und viele aus dem Juniorenkreis sind dann auch in diese Schule gegangen. So gab es immer eine enge Verbindung.

Überhaupt die „Connections“, die sind Gold wert. Durch die Juniorengruppe kenn’ ich Leute aus ganz Deutschland. Wenn ich ein Problem hab’ oder eine Frage, dann kann ich zwei oder drei Leute aus dem Netzwerk fragen. Auch, wenn ich einen speziellen Gegenstand such’. Dieses Netzwerk hätt’ sich potenziert durch die Schule.

Und regional: gibt’s da Kontakte?

Rainer: Nein.Karl-Rainer: Das war früher mal besser. Wir haben früher mit der Fa. Clemente aus Neumarkt oder mit der Fa. Liebl in Taufkirchen Kontakt gehabt. Man hat sich auf den Messen getroffen. Aber mittlerweile haben sich die Alten mehr oder weniger aus dem Geschäft zurückgezogen. Und das mit den Messen hat sich ganz aufg’hört.

 

 

 

 


Es verändert sich ja immer etwas. Da musst du immer mitgehen. Und wenn man dann einen Schritt zurück ist oder zwei und man verschläft etwas, dann ist es vorbei.

Spielwaren sind so ein Beispiel, da ändert sich grad etwas extrem. Wir haben da gewisse Playmobil-Sachen, die gehen gar nicht mehr. I weiß net warum, aber es is einfach so. Und ich hör’s auch von anderen. ... Wenn man dann die Neuheiten so anschaut, dann ist das alles wieder etwas krampfhaft Aufgekochtes. – Es ändert sich alles, so wie früher mit den Nägeln und mit den Schrauben. 

Früher hat man Schlitzschrauben gehabt, die man mit der Hand hat eindrehen können, da hat man gezählt, hat drei oder vier gebraucht. Und jetzt: „Wie viele sind in einem Packerl drin?“ – „500 Stück.“ – „Ach, gib mir’s ganz mit“, sagt er, „die verklauben sich schon.“ Jeder hat einen Akkuschrauber daheim. Auch da verändert sich die Technik. Vor zehn Jahren waren Akkuschrauber für uns von der Pflege her interessant, ... man hat den Akku regelmäßig aufladen und leeren müssen ... Früher hat man 20 Schräuferl [Schrauben] reingedreht, jetzt sind’s ungleich viel mehr. – Das sind halt die Feinheiten, weil sich die Technik einfach immer weiter entwickelt. ... 


... Wenn Sie das vollständige Interview mit Familie Schacher lesen wollen, dann können Sie das im Buch "Zeitzeugen. Wir erinnern uns", welches der Heimat- und Kulturverein Buchbach 2016 herausgegeben hat.


Das Gespräch fand am 13. September 2016 im Haus der Familie Schaucher am Buchbacher Marktplatz statt.

Technik:
Mikorofonie: AKG C451C Niere (Rainer und Marianne Schaucher), Sennheiser MKH 416 (Karl-Rainer Schaucher); Rekorder: Tascam DR100-MKII PCM, .mp3, 96kbps, Gesamtlänge des O-Tons 1h 47’ 08’’